Montag, 16. Oktober 2017

AfD, Tumulte auf der #fbm2017, Absage an Leipzig - ein paar Gedanken

Nein, ich habe  nach der Bundestagswahl nicht so lange geschwiegen, weil ich schockiert war, sondern schlicht, weil ich zu sehr von der Arbeit im Schraubstock gehalten wurde. Ja, es sitzen, um es mit dem SPD-Kandidaten TSG zu sagen, erstmals seit 1945 wieder Rechtsextreme im Bundestag (zumindest offiziell). Die AfD ist die drittstärkste Kraft und hat in manchen Wahlkreisen noch viel höhere Prozentpunkte erreicht. Aber so zynisch das klingt: Ich hatte im Vorfeld Angst, dass es noch schlimmer kommt.

Diese 12,6 Prozent sind in etwa die Zahl, die ich schon seit Jahrzehnten (ich bin alt genug, um den Begriff zu gebrauchen) höre als der Anteil latent rechtsradikalem Gedankenguts, der sich durch alle Bevölkerungsschichten zieht. Wohlgemerkt, durch ALLE. "In der Mitte der Gesellschaft angekommen" schrieb da die taz schon 2010, und wer mal richtig tief einsteigen will, findet von der Uni Göttingen eine interessante Analyse von 2015 speziell zur Rassentheorie, die wir als Deutsche doch überwunden haben wollten oder sollten.

Sehr gut kann ich deshalb den Tweet verstehen, der die Runde gemacht hat: "Heute ist der letzte Tag, an dem man als Deutscher sagen kann: "Deutschland hat aus seiner Geschichte gelernt." Aber ich bin nicht überrascht und ich bin nicht die einzige damit. Die Theorie mit der "Mitte der Gesellschaft" wird auch gestützt durch die Reaktionen von Zeit-Online-Lesern, denen man gemeinhin nicht unterstellt, zu den durchschnittlichen Internettrollen zu gehören, und die nach der Wahl aufgefordert wurden, ihre Wahl für die AfD zu erklären. Viele können das auf sprachlich und argumentativ hohem Niveau, aber trotzdem zeigen die Antworten, dass es eher eine Wahl dessen war, was man NICHT wollte: Wenn die AfD als einzige die diffusen Ängste vor der Migrantenflut bedient, blendet selbst der intelligenteste Mensch alles andere aus, wie es scheint. "Wovor habt ihr eigentlich Angst?", hat der Tagesspiegel schon im vergangenen Jahr gefragt und vorgerechnet, wie gut es Deutschland immer noch geht.

Dabei spricht er aber auch "ihr da in Dresden" direkt an. Ja, Sachsen ist schnell als Prügelkind identifiziert worden. In der Autoren-Community hat das "Bundesamt für magische Wesen" prompt für einen Aufreger gesorgt mit der Ankündigung, sich wegen der Wahlergebnisse nicht mehr im Osten wohlzufühlen und aufgrund von Anfeindungen aus der Vergangenheit nicht zur Leipziger Buchmesse 2018 zu kommen. Ganz davon abgesehen, dass das BAfmW bereits 2016 aus ganz anderen Gründen nicht dabei war, haben sie schnell verständnislose Reaktionen geerntet, von "Wie kann man ein ganzes Bundesland pauschal verurteilen?" über "Es kommen ja nicht nur Sachsen zur Buchmesse" bis hin zu "Jetzt erst recht!".

Auf der Frankfurter Buchmesse hat der Versuch, die "Meinungsvielfalt" zu wahren, indem man einen Verlag als Freund rechten Gedankenguts unmittelbar mit "Linken" flankiert, zu friedlichen Protesten und später Tumulten geführt. Auch wenn ein Teil von mir versucht, die Organisatoren zu verstehen, gehört mein Herz der Aussage, die eine Freundin von mir twitterte: "Hass ist keine Meinung." Sehr gut analysiert hat das in meinen Augen der Blog von "Fisch und Fleisch": "Der Ausrichter ist eine private Organisation. Es besteht für ihn keinerlei Verpflichtung, das gesamte Spektrum an politischen Haltungen abzudecken. Es besteht auch keine Veranlassung, auf einer internationalen Veranstaltung eine Diskussion zuzulassen, die sich Begriffen wie 'Migrantengewürm' bedient. Einen bekannten Neonazi zu hofieren, während ein verletzter Gegendemonstrant des Hauses verwiesen wird und Messeverbot erhält – all das bleibt in höchstem Maße erklärungswürdig."

Diese Ereignisse zeigen aber wieder: Das war Frankfurt, nicht Leipzig. Die Wählerstimmen aus dem Osten hätten allein nicht ausgereicht, die AfD so stark zu machen.

Das BAfmW spricht von einer ganz persönlichen Erfahrung und einem ganz persönlichen Gefühl in Bezug auf die LBM-Absage. Also teile ich meine ganz persönliche Erfahrung: Ich bin im ländlichen Hessen aufgewachsen (im Villmarer Ortsteil Seelbach wählten übrigens 18,1 % AfD), habe in Bayern studiert, in Stuttgart und Hamburg gearbeitet, ein Praktikum bei einer deutschsprachigen Zeitung in Kanada gemacht (Zielgruppe u.a. Heimatvertriebene) und dann im Osten Brandenburgs ein Zuhause gefunden. Einen großen Schock hatte ich als Jugendliche, als mich ein Kumpel zum Abendessen nach Hause einlud und zum normalen Tischgespräch gehörte, über "die Russen" vom Aussiedlerhof herzuziehen. Ich habe in allen Teilen Deutschlands die gleichen Diskussionen über Vorurteile und Fremdenhass geführt, in Kanada fast mein Praktikum geschmissen über einen mehr als unsensiblen Artikel über den Holocaust, den der Chef auch unbedingt als "Meinungsvielfalt" drin haben wollte. Ja, ich höre hier in Schwedt Sprüche, sogar von engen Bekannten, die nachts angeblich nicht mehr heimlaufen wollen, seit die Flüchtlinge hier wohnen, und ich wurde auch schon richtig laut und wütend, weil ich manchmal einfach nicht an mich halten kann bei zu viel Ignoranz und mangelndem Mitgefühl. Aber das passiert mir nicht öfter und nicht seltener als überall sonst.

Der Osten allgemein und Sachsen speziell haben nicht den Rechtsradikalismus für sich gepachtet. Man muss ihm in ganz Deutschland entgegentreten. Und ich freue mich auf die Buchmesse nächstes Jahr.


Freitag, 15. September 2017

Donnerstag, 31. August 2017

#Worldcon: Treffen mit Autoren aus aller Welt

Fast jeder Autor, den ich kenne (mich eingeschlossen), wollte mal so ein Buch-Café wie hier in Turku eröffnen
Bei meinem jüngsten Bericht über die Reise mit meinem Freund nach Finnland habe ich den eigentlichen Grund, warum wir uns dieses Urlaubsziel ausgesucht haben, eher übergangen: Die Worldcon 2017 in Helsinki. Denn das ist auf jeden Fall nochmal einen eigenen Eintrag wert. Dieser Tag in den Messehallen war nämlich nochmal eine ganz andere Welt.

Eine Schande, eigentlich, dass ich noch nie von dieser Convention gehört habe, obwohl es sie seit 1939 (!) gibt und sie zum 75. Mal stattfand (für alle, die mitrechnen: In den Kriegsjahren fiel sie aus). Nerds meet Wissenschaft und Fantasy, könnte man es vielleicht auch nennen. Zum Glück ist mein Freund schon vor drei Jahren in London dabei gewesen und hat mir vorgeschwärmt. Und vor allem: Jeder von uns konnte etwas auf dem Programm finden, was ihn fasziniert hat. Der Ingenieur etwas über die Besiedelung des Mars, die biologischen Voraussetzungen, um einen Drachen zu klonen, und Quantencomputer, die Autorin über Klischees in Fantasy, respektvolle Darstellung von Queer-People und die Herausforderung des Genre-Hopping. Zusammen kamen wir wieder über die Musik: beim Konzert der wundervollen Ju Honisch, Autorin und Liedermacherin und eine liebe Freundin (die mir im Flur noch flugs eine Rückmeldung zu "No Pflock" gab, die mich sehr stolz und glücklich machte - wenn die Meisterin der düsteren Geschichten mich düster findet und sich mehr Ravic wünscht ...). Abends landeten wir, ganz Filker, im Cyrcle von Valerie Housden (hier im Beispielvideo links) und konnten erleben, dass Lieder wirklich international sind: Ob auf Englisch, Finnisch oder (von mir) auf Deutsch - für Hingabe, Können und Mut gab es immer Applaus, selbst wenn nicht jeder alles verstand.
Die Akademische Buchhandlung in Helsinki ist die größte in Nordeuropa
Finnland war für mich sowieso schon ein Paradies mit seinen wunderschönen Buchläden, auch wenn ich nur in der Akademischen Buchhandlung welche in einer Sprache finden konnte, die ich verstand. Dort gibt es auch ein deutsches Regal, und neben einem Alibi-Gedichtband von Goethe ist vor allem Wladimir Kaminer dort stark vertreten, vielleicht wegen der russischen Vergangenheit Finnlands.

 Als wir nach dem ersten Tag der Worldcon online lasen, dass die Veranstaltung wegen Überfüllung nur noch hundert Tagespässe ausgeben werde (neben den bereits vorgebuchten), wurden wir ein bisschen nervös - es wäre schon etwas dumm, wenn der Anlass unserer Reise plötzlich platzen würde. Deshalb taten wir, was gute Fans tun: Uns eine Stunde vor Öffnung in die Schlange stellen und sichergehen, dass wir noch reinkommen.
Überhaupt war Schlangestehen ganz groß, auch vor jedem Panel musste man sich anstellen, aber weil ich mir das Tagesprogramm realistisch und mit genug Pausen gestaltet hatte, bin ich in jede einzelne Veranstaltung, in die ich wollte, auch reingekommen.

1. Science Fiction and Fantasy Clichés:

Petri Hiltunen hatte diesen Vortrag vorbereitet, und auch wenn mich nichts davon wirklich überrascht hat, war seine Analyse, wie weit manche Klischees zurückgehen in der Literaturgeschichte, sehr erstaunlich: Des "Es war alles nur ein Traum - oder doch nicht?" hat sich schon Cicero bedient.
Voll auf einer Wellenlänge lag ich mit ihm beim Thema Schicksal/Prophezeiung/der Auserwählte: ein billiger Trick, um dem Charakter eine Motivation zu geben, bestimmte Dinge zu tun, oder anderen, um ihn mit in den Plot einzubeziehen. Hat man sich einmal Nachdenken gespart. Wer zum Teufel macht eigentlich immer diese ganzen Prophezeiungen, woher wissen die das alles und hätten sie dann nicht das Böse von vorneherein verhindern können?
Apropos Böse: Gut gegen Böse - auch ein Klischee, zumindest in seiner simpelsten Schwarz-Weiß-Malerei.
Firefly-Fans wissen, warum ich den Namen dieses Pubs fotografieren musste (und bei "Böse" poste). Leckeres Platbröd, übrigens
Das Schaffen eines Monsters führt Hiltunen einmal auf Frankenstein zurück, zum anderen auf den Golem von Prag. Skynet aus der Terminator-Reihe beispielsweise ist Frankensteins Monster: klüger und besser als seine Schöpfer, weshalb das Computerprogramm sich schließlich dessen bewusst wird und rebelliert. Der Terminator, in Teil 1 noch ein "Golem", ein Soldat, der stumpfsinnig Befehlen gehorcht, macht diese Entwicklung in Teil 2 durch und rebelliert seinerseits gegen Skynet als seinen Schöpfer. Sehr viele moderne Erzählungen lassen sich so aufdröseln.
Hiltunen hat Klischees nicht komplett verdammt, ganz und gar nicht, aber aufgezeigt, woher sie kommen und wie viele - auch intelligente - Variationen es von ihnen gibt. Selbst angesichts von Game of Thrones blieben Lesergewohnheiten die gleichen: "Menschen wollen, dass der Böse am Ende stirbt - sie zu schockieren, funktioniert nicht dauerhaft."

2. Writing Queer People Well

Diese Podiumsdiskussion ging erstmal mit einer Definitionsrunde los, bis man sich für diese Stunde darauf einigte, als "queer" einfach mal alles zu bezeichnen, was nicht klassisch heterosexuelles Familienbild ist. Und eine Diskussion war es, denn obwohl alle Teilnehmer grundsätzlich das gleiche wollten - eine würdevolle Darstellung von Menschen aller Schattierungen -, waren sie sich selbst nicht einig, wie das zu erreichen sei.  Julia Rios' "Don't kill the gay guy" konterte Ellen Kushner sofort mit: "Doch, töte den schwulen Typen, wir haben es uns verdient, zu sterben." Was sollte das? Nun, in der Vergangenheit gibt es in Literatur und Film eine unrühmliche Geschichte, dass schwule Charaktere immer Nebenfiguren sind, meistens Comic Relief oder der Bösewicht - und am Ende sterben. Quasi als Strafe für ihren Lebenswandel. Kushner wollte nun sagen, dass es aber auch nicht der richtige Weg sei, LGBTs (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) eine Sonderbehandlung zukommen zu lassen. Wenn es die Logik der Geschichte verlangt, muss auch der Schwule sterben. Aber: Erstens sollte seine Sexualität nicht sein einziger Charakterzug sein und nicht jede Liebesbeziehung von vorneherein zum Scheitern verdammt. 
Eigentlich, so konnte sich das Panel schließlich einig werden, geht es darum, wie man allgemein gut schreibt: glaubwürdige, runde Charaktere als Identifikationspotential und auch Vielfalt in der Darstellung, wie die Gesellschaft auf sie reagiert - nun mal keine Klischees, keine Schwarz-Weiß-Malerei. Nicht alle Bisexuellen sind bindungsunfähig und dauerrollig, nicht alle asexuellen kalt und emotionslos. 


Das böse Plotbunny endlich in der Gesellschaft, in die es gehört
3. Challenges of Genre Hopping

Es war überhaupt schön zu sehen, wie sich die verschiedenen Veranstaltungen und Autoren gegenseitig ergänzten, selbst wenn sie nicht gemeinsam ein Panel bestritten. Hatte Kushner beispielsweise jungen Autoren als Tipp mitgegeben: "Brecht die Regeln und sorgt dafür, dass ich es liebe!", sagte Elizabeth Hand im Genre Hopping: "Erstmal muss man die Regeln kennen, bevor man sie bricht, sonst ist es Schlamperei." Da kann ich als Lektorin zu beidem nur Amen sagen: Regeln zu brechen, ist nicht das Problem, solange es für den Leser trotzdem funktioniert. Innovation als Ausrede zu nehmen, um nicht an sich und seinem Stil arbeiten zu müssen, ist keine gute Idee und zeugt kaum von Professionalität. 
Mich hat das Thema Genre Hopping sehr interessiert, denn zum einen konnten sich Rezensenten kaum einig werden, welchem nun mein Erstling zuzuordnen sei, zum anderen schubst mich meine liebe Agentin immer aus meiner "Komfortzone" Vampirhorror und bringt mich dazu, anderes auszuprobieren (weshalb ich gerade heute einen Verlagsvertrag für einen Regionalkrimi unterschreiben konnte). Das ist nicht immer leicht und ich war neugierig, wie andere Autoren damit umgehen. Zunächst gab es einen ganz pragmatischen Tipp: Immer viele Notizen machen, sonst kommt man spätestens durcheinander, wenn man in dem einen Genre etwas schreibt und dann vom Verlag gebeten wird, in dem anderen etwas zu überarbeiten. Dass die Genres sich dann bei der anderen Geschichte einschleichen und ein Ermittler plötzlich eine Vorliebe für feurigen Flamenco entwickelt, passiert halt. 
Fans könnten manchmal etwas ungehalten werden, wenn sie auf eine Fortsetzung in ihrem Lieblingsgenre warten, aber alle Teilnehmer des Panels bescheinigten ihnen Intelligenz genug, dass Pseudonyme überflüssig seien - Leser verkraften das, dass ihr Autor mal Romanze und mal Thriller schreibt und entdecken so vielleicht mal was Neues. Tatsächlich sei die Vermarktung, wenn sich in einem Buch mehrere Genres vermischen, schwerer als das Schreiben. Tom Crosshill  brach eine Lanze dafür, sich vorab nicht zu viele Gedanken zu machen, sondern die Geschichte erzählt, die man möchte - und dann hinterher zur Beruhigung von Agenten und Verlagen das Label draufklebt, dessen Elemente am stärksten vertreten sind. 
Kleine Teepause und Beute begutachten - Kunstausstellung und Marktplatz gibt es nämlich auch noch
 4. Where Cat is, is Civilization

Dieses Thema habe ich mir nicht nur aus reinem Spaß ausgesucht, sondern vor allem zu Recherchezwecken, immerhin schreibe ich gerade einen eigenen Katzenroman. Daniella Karni-Harel gab einen kurzen Abriss über das sich verändernde Verhältnis von Mensch und Katzen im Laufe der Geschichte ("Sie waren Götter, sie wurden verehrt - und sie liebten es und erinnern sich daran."). Dann ging sie auf die vielfältigen Rollen ein, die Katzen in Geschichten zugeschrieben werden: Einzelgänger, Symbol für Sauberkeit und Gesundheit, der Wegweiser, das Mysteriöse, das Sexsymbol (Catwoman, ne?). Mein Mrri, habe ich festgestellt, fällt sogar in drei ihrer Kategorien: der Trickser, die Katze und der Tod ... und eine, die ich nicht verraten will, weil es zu viel vom Ende verraten würde. Nach einer Plauderei mit der Rednerin im Anschluss soll ich nächstes Jahr einen Link zum E-Book-Verkauf nach Israel schicken - sie würde schon jemanden finden, der es ihr aus dem Deutschen übersetzt. 
Auf dieser Welt gibt es auch einige kluge Katzen
So viele Eindrücke und Erkenntnisse an einem einzigen Tag - ich kann es selbst nicht ganz glauben, jetzt, wo ich diese Zusammenfassung schreibe. Wieso eigentlich hat es Deutschland noch nicht geschafft, sich diese tolle Veranstaltung mal ins eigene Land zu holen? Weil Amerika ein bisschen weit ist, haben Freund und ich erst in zwei Jahren wieder Gelegenheit, die Worldcon abzugreifen. Ich wollte schon immer mal einen Anlass haben, nach Irland zu fahren ...
Neuseeland bewirbt sich für die Worldcon 2020 - und kann genau sagen, warum

Freitag, 25. August 2017

Finnland: Wasser, Selbstmordrate - und keine Mücken

Endlich hab ich mal wieder eine wirkliche Grenze überquert. Mein erster richtiger Urlaub seit Jahren und dann auch noch in Finnland, das Land, das ich bereits zu Studienzeiten besuchen wollte. Ein Wintersemester, wovon mit der betreuende Professor damals vehement abriet.
"Was wollen Sie denn da im Winter? Ich kenne nur Leute, die da wegwollen. Die Sonne geht nie auf, die Schnapsflaschen stapeln sich vor der Sauna und die haben die höchste Selbstmordrate Europas." 
"Meine Güte, sollten Sie nicht Werbung für diesen Austausch machen?"
"Ich mache mir SORGEN um Sie!"
Ganz davon abgesehen, dass die Finnen, wie ich zwischenzeitlich in einem Münchner Theater sehen konnte, mit ihrer Selbstmordstatistik sehr schwarzhumorig umgehen, hätte mich das nicht abgehalten, aber tatsächlich hätte ich wegen verschobener Zeiten zwei Semester in Deutschland verpasst, um dort eines machen zu können. So landete ich am Ende in Montreal, was auch herrlich war.


Jetzt aber endlich Finnland, dann halt im Sommer. Anlass war mein Freund und sein Wunsch, zur Worldcon nach Helsinki zu fahren, von der ich in einem anderen Beitrag noch erzählen werde. Doch natürlich kam es für mich nicht in Frage, diese Reise zu machen, ohne in die wundervolle finnische Natur einzutauchen. Viele Bekannte sind schon dort gewesen und haben mir unisono geraten: "Nimm um Himmels willen Mückenspray mit!" Obwohl man ja angeblich besser das Zeug vor Ort kauft, wo es exakt auf die Insektenwelt des Landes abgestimmt ist, steckte ich mal zwei Spraydosen ein. Dass mich frühmorgens in Schwedt auf dem Weg zum Zug gleich zwei Bremsen überfielen, schien mir ein Omen zu sein.
Das sollten bis auf einen einzigen die letzten Stiche des Urlaubs bleiben.

Tatsache: Anfang August gilt in Finnland schon als Saisonende. Die Massen von Mücken, die alle in bester Erinnerung haben, werden vom frischen Wind davongepustet und die Holzhütten, die wir uns von Tag zu Tag spontan zum Übernachten buchten, je nachdem, wo es uns hinverschlagen hatte, waren immer zu kriegen. Tatsächlich steckten uns die Betreiber der Ferienhaussiedlungen offensichtlich immer mit dem einzigen anderen Gast zusammen, damit wir uns nicht langweilten. Das war in unserer ersten Nacht nahe Kouvola und dem Repovesi Nationalpark Raymond aus Nottingham (ganz recht, DAS Nottingham). Der rüstige Rentner gondelt in der ganzen Weltgeschichte herum und liebt es, mit jungen Leuten zu diskutieren ("Ah, wenn wir schon dabei sind, Blödsinn zu reden...") und dabei provokante Standpunkte einzunehmen ("Irgendwie bewundere ich Trump."). Aber er hört zu und ist bereit, seine Meinung zu ändern, das respektiere ich.

In Kouvola erwischte uns der einzige richtige Regentag unserer Reise, den wir dann spontan umplanten und spontan im Papiermühlenmuseum von Verla verbrachten, einem UNESCO-Weltkulturerbe, wo man leider nicht fotografieren darf, zumindest nicht drinnen. Die Fabrik ist nur ein paar Jahre nach ihrer Schließung 1972 als Museum neu eröffnet worden und steht noch genauso da wie damals, als Maria Mattsson im Alter von 77 in Rente ging. 51,5 Jahre hat sie immer an derselben Stelle gestanden und die schweren Pappbögen gewogen. Dabei haben sich ihre Fußabdrücke in die Holzbohlen eingegraben. Irre!

In Kouvola sind wir dann auf der Suche nach einem Supermarkt einem Ritter über den Weg gelaufen, mit Waffenrock, Kettenhaube, Schwert und allem. Nun sind weder Gerd noch ich Fremde in der Szene und ließen uns von dem Recken gleich den rechten Weg weisen zum Markt. Auch im Dauerregen waren wir nicht die einzigen Deutschen dort. Als die Band, die gerade auf der Bühne so mitreißende irische Musik fabrizierte, kurz innehielt, um untereinander das weitere Programm zu beraten, staunten wir nicht schlecht, dass wir sie ausgezeichnet verstehen konnten. "The Sandsacks" aus Berlin waren uns nur um einen Tag vorangeflogen (und hoffentlich nicht wie wir wegen Überbuchung auf die Schleudersitze geraten, dass es ein reines Wunder war, dass wir doch noch am gleichen Tag nach Helsinki kamen, aber das ist eine andere Geschichte). 

Was in Finnland übrigens irre gut ist: das Essen. Sonst, wenn ich im Ausland bin, vermisse ich doch sehr schnell und sehr snobistisch das deutsche Brot, aber die Finnen stehen unseren Landsleuten im Backen von Körnerbrot und Brötchen in nichts nach. Insgesamt eher britisch geprägt (die Frage nach "Restrooms" überforderte eine Kellnerin völlig, "Toilets" waren das Zauberwort), gibt es auch immer Porridge. Der Haferbrei mag nicht jedermanns Sache sein, aber ich liebe das Zeug. Und gerade, als wir noch etwas abseits der Zivilisation unterwegs waren, wirkten unsere Frühstücksräume immer, als hätten unsere Gastgeber uns zu sich nach Hause eingeladen.
Unser privater Bootssteg in Teijo
Aber eines stimmt, was man über Finnland sagt: Es ist teuer. Auch wenn man sich den Alkohol verkneift, mit zwei normalen Portionen und zwei Softdrinks (Finnland ist ein Pepsi-Land, also blieb ich meistens bei Apfelsaft) kommt man trotzdem kaum unter 50 Euro aus einem Restaurant raus. Übrigens ohne Trinkgeld - man gibt keins. Die Kellner sind überaus freundlich und reagieren fast beleidigt, wenn man nach "Tip" fragt.  

Finnische Pizzavariante im Niska, direkt am Strand von Ekenäs
Abseits der Zivilisation ist übrigens relativ: Selbst wenn man mitten im Nationalpark auf von Wurzeln völlig zerfurchten Trampelpfaden unterwegs ist und über Felsen klettert, sind die Wanderwege in Finnland stets perfekt ausgeschildert und markiert. Die Straßen mögen Lehmpisten sein, aber entsprechen exakt der Karte, die wir in der Touristeninfo bekommen haben. Wenn man auf irgendeiner kleinen Insel vor einem Fähr-Fahrplan steht und versucht, ihn zu entziffern, steht sofort eine hilfreiche Touristeninformation-Angestellte hinter einem und spricht nahezu akzentfrei Deutsch.

Felsen, Wurzeln, Seen, Blaubeeren, Heidekraut und Moos in den irrsten Farben - das ist das, was sich mir ins Gedächtnis eingebrannt hat. Wie viel Zeit hab ich allein damit verbracht, Moos zu fotografieren. So viele verschiedene Sorten in solch nuancierten Schattierungen von Grün, die kaum eine Digitalkamera einfangen kann, und dazu so unglaublich flauschig (wenn es nicht so feucht wäre...)!


Gut, dass sich Wasser und Moos nicht über Paparazzi beschweren, denn manchmal konnte ich gar nicht mehr aufhören mit Fotografieren. Nur von der spektakulärsten Tierbegegnung habe ich kein Bild, denn die war in der Abenddämmerung und aus dem Auto heraus: Ein Rentier spazierte in aller Seelenruhe durch ein Getreidefeld. 
Komm mir nicht zu nah!
Ein besonderer Spaß sind die handbetriebenen Fähren, die die Wanderer selbst bedienen müssen, um nicht nur Beine, sondern auch Arme zu trainieren. 

 Sobald das Auto mit dabei ist, bleibt einem das glücklicherweise erspart, sonst hätten wir das "Inselhopping" über die finnischen Schären sicher nicht so gut hingekriegt. Einfach immer der Straße 180 bei Turku nach, und mit kleinen Brückchen und (meist kostenlosen) Fähren von Insel zu Insel muss man keine teure Rundfahrt buchen. Richtig toll wird es, wenn man auf eine Nebenstraße abbiegt und einer Achterbahn von Route folgt, um dann irgendwo an einem namenlosen Stückchen Strand eine Bank fürs Mittagspicknick zu finden.
Ist es da ein Wunder, dass mir der Abschied von der Natur erstmal ziemlich schwer gefallen ist an dem Tag, an dem wir mittags in Helsinki unser Mietauto wieder abgeben mussten, um und in den nächsten Tagen nur noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt zu bewegen? (Übrigens, was der Reiseführer völlig vergessen hat zu erwähnen: Weil von einer Bushaltestelle immer mehrere Linien abfahren, hält ein Bus nur, wenn man ihm deutlich vom Straßenrand aus zuwinkt! Einfach nur an der Haltestelle stehen langt nicht, dann darf man am Ende nur nochmal zwanzig Minuten auf den nächsten Bus warten. So als Tipp.)

Aber dazu kann ich nur sagen: Helsinki, mea culpa! Das ist eine wunderschöne Stadt. Selbst wenn einiges eine Touristenfalle ist, mag ich die Markthalle aus dem 19. Jahrhundert, den überirdisch weiß strahlenden Dom, die Marktstände, die Elch-Hackbällchen und gezeichnete Postkarten anbieten, dass mittendrin zwischen den Straßenzügen auf einmal die Felsen wieder durchbrechen ... Den kleinen veganen Imbiss, wo nur Einheimische aßen und die Besitzer tatsächlich mal kein Englisch sprachen, aber superleckere Pommes machten, und selbst die völlig überdrehte, mit Gold überfrachtete größte orthodoxe Kirche außerhalb Russlands. 
Selbst mit "die Natur hinter uns lassen" hatte ich Unrecht, denn mit einem regulären Dreitagesticket für die Öffis (18 Euro) kann man auch die Fähre zur Festung Suomenlinna nehmen (nebenbei bemerkt: Sind diese Namen nicht super? Die Straßenschilder in Finnland können manchmal eeeewig lang sein und jedes einzelne Wort bereitet mir allein vom Ansehen Kopfschmerzen, aber die Sprache klingt sehr angenehm. kein Wunder, dass Tolkien als Vorbild für seine Elbensprache nahm.). Es ist unglaublich absurd, inmitten von grünen Hügeln, Klippen und Nonnengänsen diese Abwehrmauern, Kanonen und Flakgeschütze aus verschiedenen Epochen zu finden. Und dass auf dieser Insel ein Flüchtlingsheim eröffnet wurde für Menschen, die gerade vor Krieg geflüchtet sind, zeugt in meinen Augen nicht ganz von Fingerspitzengefühl, aber es hat eine gewisse Symbolik, schließlich sind diese Waffen schon lange nicht mehr im Betrieb. 
Hier also haben wir unsere Füße zum letzten Mal in die Ostsee gesteckt (ich bin nicht schwimmen gegangen, es war mir zu kalt, aber Gerd hat es einmal gewagt) und am Abend hat uns das zweite Gewitter unserer Reise gebührend verabschiedet - bewundert durch die Scheibe eines Burgerrestaurants hat uns das wenig gejuckt. 

"Wie ist die Welt doch groß und weit, sprach die Alte, als sie einen Stock zur Saunaluke hinaussteckte", sagt ein finnisches Sprichwort. Und ich bin froh, wieder ein neues Land bereist und eine neue Kultur kennengelernt zu haben. Beim nächsten Mal muss ich ganz dringend mehr Zeit mitbringen. Statt Mückenspray. 

P.S. Der Rückflug hat mir übrigens noch etwas Interessantes beschert: Den Blick auf meine Wahlheimat Schwedt aus rund sieben Kilometern Höhe. 

Donnerstag, 13. Juli 2017

Ein Jahrzehnt mit Journalistik-Diplom: eine Bilanz

Gerade das Zeugnis von Professor Hömberg entgegengenommen - ganz fest halten!

Nächsten Mittwoch jährt sich die Verleihung meines Journalistik-Diploms an der Universität Eichstätt zum zehnten Mal. Zehn Jahre! Bin ich jetzt offiziell alt? Und was ist alles passiert in dieser Zeit. Seit diesem Monat, dem Juli 2017, bin ich nicht mehr Mitglied im Deutschen Journalistik Verband und hab damit für mein Gefühl einen endgültigen Schlussstrich gezogen unter die Karriere, die ich angestrebt habe, seit ich 14 Jahre alt war. Ganz davon abgesehen, dass ich noch immer gelegentlich den ein oder anderen Artikel schreibe und in der Medienwerkstatt des Mehrgenerationenhauses einer Gruppe journalistisches Arbeiten beibringe (und sie mir, was allein Klaus-Dieter alles auf Photoshop drauf hat! Den Kurs hat die Uni leider erst nach uns eingeführt). Aber meine hauptberuflichen Standbeine haben sich verlagert in Richtung Lektorat und Autorin - und ich bin zufrieden damit, auch wenn es sich eigenartig anfühlt.

Antonistraße Eichstätt

Auch wenn der Journalismus rückwirkend betrachtet für mich vielleicht mehr eine Art war, meine Lust am Schreiben in eine "vernünftigere" Berufswahl umzuwandeln (hach, die Zeit vor dem großen Anzeigencrash und der Internet-Panik, als Zeitung noch als einigermaßen sicher galt!), habe ich ihn mit großem Enthusiasmus betrieben. Mein großer Traum war Geo, doch vor der Aufnahmeprüfung der Henri-Nannen-Journalistenschule schreckte ich zurück. Ich hatte zu viele Interessen, um mich für ein Studienfach entscheiden zu können, also nahm ich die Journalistik, die von allem etwas beinhaltete: Politik, Soziologie, Philosophie, Kommunikationswissenschaft, Geschichte, Recht, Statistik (Gott im Himmel!)... und natürlich die ganzen praktischen Fächer des journalistischen Schreibens, Interview- und Recherchetraining. Layout, Radio, Fernsehen. Das Ganze an einer kleinen Uni mit gutem Ruf und in einer Stadt, die klein genug war, um mich überzeugtes Landei nicht zu verschrecken.
Altmühl
Und wie habe ich es geliebt. Eichstätt war der erste Ort außerhalb meines Elternhauses, von dem ich als "Daheim" zu sprechen begann. Das lag an meinen lieben WG-Mitbewohnern, egal, wie oft sie wechselten, an meiner Journalisten-Clique, die ich heute noch habe, auch wenn wir weit auseinander wohnen, am Chor und den "Drei Tenören" (ich sang aus Männermangel im Tenor mit und lernte so meinen Eichstätt-Korrespondenten kennen, der mit bei meiner Recherche zu No Pflock sehr half), aber auch an der Cafete-Frau, die mir manchmal zum Feierabend übrig gebliebenen Kuchen schenkte, an meinen Nachbarn, die mir alle journalistischen Produkte abkauften, die wir erschufen, und mich zum Plätzchenessen einluden, an der Natur rundum ...
Meine Patin vom Absolventenverein der Eichstätter Journalistik, Maria Held - meine Heldin mit vielen guten Tipps zum Einstig in den Beruf

Das Journalistik-Diplom, lernte ich später, ist nicht der beste Weg in den Journalismus. Verlage haben es lieber, man ist Spezialist für etwas und setzt dann das Volontariat drauf, was ich ohnehin noch machen musste. Nach der Diplom-Note hat mich eigentlich nie mehr jemand gefragt, sondern hauptsächlich nach meinen Praktika. Aber trotzdem würde ich die Zeit in Eichstätt niemals missen wollen. Ich habe Selbstvertrauen gewonnen, Menschen getroffen, die mich schätzen, mich selbst organisieren gelernt - und ganz nebenbei richtungsweisende Erfahrungen gemacht für meine heutige Berufswahl, was ich damals noch nicht begriff. In den Schreibseminaren korrigierten wir uns gegenseitig die Texte und lernten, wann Kritik persönlich genommen wird und wie wir (mehr oder weniger erfolgreich) Fingerspitzengefühl entwickeln, damit das nicht passiert. "Das Medium Buch für Journalisten" war ein tolles Seminar, in dem ich mein Erstlings-Manuskript "Menschenwolf" zur Diskussion stellte, mit dem ich letztlich meine Literaturagentin gewann. Doktor Fetz, mein wunderbarer Philosophieprofessor ("Die gleiche Suppe können Sie ruhig zweimal essen, dieselbe Suppe... das wird unappetitlich."), teilte seine Erfahrungen im Bücherschreiben und auf der Suche nach Verlagen.
Professor Fetz signiert mir seinen Krimi, in dem ein Philosophieprofessor einen Mordfall aufklärt.
Auch wenn ich nach dem Diplom noch einige Jahre als Praktikantin und Freie herumknapste, bevor ich im wilden Osten mein Volontariat bekam (was sicher auch an Pech und mangelnder Vorplanung lag - meine Freunde fanden alle schneller Jobs als ich, wenn auch nicht zwangsläufig im Journalismus), hat diese Zeit meine Überzeugung bestärkt: Alles, was man erlebt, lernt, kommt einem später mal zugute, auch wenn man es nicht unmittelbar umsetzen kann (Reden wir mal nicht davon, wie Medienethik im Alltagsgeschäft behandelt wird, meine Beispiele sind da noch harmlos, aber frustrierend).

Was ist passiert in diesen zehn Jahren? Ich habe drei Bücher herausgebracht, das erste in unmittelbarer Folge meines Studiums, da es meine Diplomarbeit war über Erich Schairers Arbeit als kritischer Journalist vor und in der Nazizeit, das dritte in indirekter Folge - na ja, und die Geschichte dieses Aufklebers muss ich nicht nochmal erzählen.
Ich bin öfter umgezogen, als ich es mir jemals hatte vorstellen können, und bin nun in einem Bundesland zuhause, das ich damals einfach gar nicht auf dem Schirm hatte. In ausgerechnet den Landkreis, der Eichstätt gerne entgegengestellt wird, wenn man lebenswerte Regionen untersucht. Aber genau hier habe ich meine dritte Heimat gefunden. Denn die Eichstätter ist wieder geschwunden, als meine Nachbarn ins Altenheim gingen, die Professoren in Ruhestand und fast alle meine Freunde wegzogen und sogar mein Lieblings-Italiener schloss. Da sind meine neuen Wurzeln in Schwedt besser verankert.
Vegetarischen Burger im PastaCChino am Domplatz - kann man heute leider nicht mehr kriegen
Ich habe in diesem Jahrzehnt seit Eichstätt sowohl das arschigste als auch das respektvollste Vorstellungsgespräch aller Zeiten erlebt, war bereit, um des Geldes Willen PR-Jobs anzunehmen, die mich kein Stück interessierten, habe als Redakteurin Verantwortung gelernt und am Ende einen gut bezahlten Posten ausgeschlagen, um die "unsicherste" Variante der Selbständigkeit zu wählen, die mich seither unendlich glücklich macht. Mein Motorrad hat jetzt schon das zweite Auto überlebt, ich arbeite am dritten Laptop und mit der zweiten Profikamera und bin etwas kleiner geworden, seit mir ein Stück Bandscheibe fehlt. Ich habe meinen Freund kennen und lieben gelernt und ein ganzes Set an neuen Hobbys, die alle miteinander meine Kreativität befreit haben, von Mittelaltermärkten über Rollenspiel bis hin zu Filk und Schreibnacht. Schwedt hat meine Liebe zur Natur wieder neu angefacht, ich habe kleine und große Wölfe geknuddelt und mehr wundervolle Menschen getroffen, als ich je aufzählen kann (Krautzes, Alisha, Susanne, Moni und Tassi, Dani, ihr wisst, wovon ich rede!).
Laptop Nummer eins in meiner WG-Bude
Ist das eine gute Bilanz unter zehn Jahren? Wahrscheinlich haben andere Menschen nach objektiv zu messenden Kriterien erfolgreichere Lebensläufe. Aber ich bin gerade sehr zufrieden mit meinem Leben. Danke, Eichstätt!