Freitag, 17. März 2017

Schreibmusik und Stille - der "No Pflock" - Soundtrack


Der wunderbare Armin Müller-Stahl hat mal sinngemäß gesagt: "Wo die Schauspielerei aufhört, fängt das Schreiben an. Wo das Schreiben aufhört, fängt die Malerei an. Wo die Malerei aufhört, fängt die Musik an." In Abstufung, welche Kunstform am besten dazu geeignet ist, sich auszudrücken. Kunst, aber vor allem Musik kann das darstellen, wofür uns die Worte fehlen. Deshalb heißt es ja auch, Musik überschreitet alle Grenzen und kann Brücken bauen. Müller-Stahl muss es ja wissen, schließlich hat er in allen vier Künsten Erfolg.

Für viele meiner Autorenfreunde spielt Musik eine große Rolle beim Schreiben. Sie versetzt in die richtige Stimmung und die Auswahl beeinflusst sogar, welche Wendung die Geschichte nimmt, fröhlich, tragisch, romantisch. Ich finde dieses Konzept wunderschön - es ist für mich nur völlig ungeeignet. Schon allein, weil ich niemals ein Stück finde, das genau die Szene trifft, die gerade in meinem Kopf entsteht. Weil viele Musikstücke bereits mit anderen Assoziationen verbunden sind, Filmen oder Situationen, in denen sie im Radio liefen oder wir sie im Orchester gespielt haben. Und selbst wenn ich ein Stück finde, das einigermaßen passt, ist es nach vier, fünf Minuten vorbei. Aber es ist mehr als das: Ich mag gar nichts hören,w enn ich schreibe. Ich möchte komplett in meiner eigenen Fantasie verschwinden.

Deshalb hat es mich sehr gefreut, als Patrick Rothfuss in einem Interview sagte: "Warum, um Himmels Willen, sollte ich beim Schreiben Musik hören wollen? Da ist mein Gehirn voll mit dieser einen Herausforderung beschäftigt." Er empfahl sogar seinen Lesern, keinesfalls bei der Lektüre Musik laufen zu haben, sondern sich ganz und gar auf das Erlebnis der Kingkiller-Chronicles einzulassen. (Hey, sollten wir ihm den Strom abdrehen? Vielleicht hört er gerade zu viel Musik, um endlich mit Band 3 rauszurücken.)

Allerdings hat mich meine Schreibnacht-Freundin Tali mittlerweile mit ihrer Idee angesteckt, Lieder zu finden, die bestimmte Charaktere in ihren Büchern repräsentieren, ihre Eigenschaften, Stimmungen oder auch, wie andere sie sehen. Ein paar Tage lang habe ich wie wild herumgesucht, weil ich unbedingt etwas haben wollte, das zu Ravic passt, dem Vampir, der Martins Entwicklung in meinem Roman "No Pflock" auslöst. Bis ich irgendwann aufgab - wie sollte man auch die Komplexität einer Persönlichkeit, die eine unbekannte Zahl von Jahrhunderten auf der Welt gelebt und getötet hat, in ein Lied fassen? Kurz darauf stand ich in der Küche, hatte eine alte Playlist laufen, um mich beim Abwasch bei Laune zuhalten - und plötzlich ging mir auf, dass eines der Lieder ein Ravic-Lied war. Plötzlich brach der Damm und ich habe mittlerweile einen ganzen "Soundtrack" zusammengestellt, und das nicht nur zu meinem Erstling, sondern zu mehreren Buchprojekten.

Das heißt nicht, dass ich den beim Schreiben laufen hab, ganz und gar nicht. Aber ich höre ihn zum Beispiel vorher, um mich in Laune zu versetzen. Manchmal suche ich im Internet ganz gezielt nach einer Stimmung, einer Textzeile, die mir dunkel im Gedächtnis geblieben ist, und stolpere noch über ganz andere Lieder, die wieder neue Plotbunnies auslösen. Außerdem komme ich so an Musik, die ich sonst niemals gehört hätte. Nur ganz selten nur finde ich etwas, das auf eine konkrete Szene passt, und auch "Charakterlied" darf mal nicht zu wörtlich nehmen: Manchmal passt nur eine einzelne Textzeile, aber die Art des Liedes löst die richtigen Gefühle aus - Musik eben, jenseits von Worten.

Deshalb möchte ich hier gerne meinen "No Pflock"-Soundtrack teilen, so weit er im Internet verfügbar ist (manches hab ich auch auf privat gekauften CDs und werde garantiert keine Urheberrechte verletzten, indem ich die jetzt irgendwo hochlade). Allerdings muss ich warnen: Wer sensibel genug ist, könnte schon fast durch die Liedauswahl gespoilert werden, was in dem Roman passiert. Und die Youtube-Videos zu schauen, führt eher auf die falsche Fährte. Stellen wir uns also "No Pflock" ein wenig als Film vor ...

1) Vorspann: https://www.youtube.com/watch?v=L3FfSyzXM44
2) Martin:
3) Ravic - ein spezieller Fall. Jedes dieser Lieder beleuchtet nur einen kleinen Teil des Charakters und selbst so sind nicht alle abgedeckt. Aber wie soll das auch anders sein bei einem so alten Vampir?
4)  Liza: leider nur ein kleiner Ausschnitt: http://bandits-movie.de/deutsch/songs_bandits_hoeren.htm?11, aber hier ist der ganze Text: http://www.songtexte.com/songtext/bandits/time-is-now-4bccd3ba.html

5) Vincenzo (und ja, ich weiß, das ist ein französisches, kein italienisches Lied. Verklagt mich!) https://www.youtube.com/watch?v=XKSyXxS1XGU

 6) Martin und Alina:
7) Letzte Szene von "Die Trompete" ab dem Moment, wo die Fenster aufgehen: https://www.youtube.com/watch?v=w9_isl1jjHc

8) Mein Hauptbösewicht: https://www.youtube.com/watch?v=0tf9wEmzwUo

9) Kapitel "Schutzengel"
10) Abspann: https://www.youtube.com/watch?v=utLCu-Mpnqo

Musik sagt mehr als tausend Worte. Vielleicht ist es mir ja gelungen, die Stimmung zu teilen, die sich beim Schreiben entwickelt hat. Denn Soundtrack und Manuskript sind parallel gewachsen und haben gemeinsam mein Verständnis für die Geschichte vertieft.

Wer noch nicht genug hat: Weil ich mittlerweile von Lesern und Rezensenten (ich liebe es: https://phantastisch-lesen.com/no-pflock-andrea-weil/) schon nach Fortsetzungen o.ä. gefragt worden bin und an was ich sonst noch so arbeite, gibt es hier als Teaser noch weitere Auszüge aus zwei aktuellen Herzensprojekten:

Science-Fiction-Trilogie:
Vorspann: https://www.youtube.com/watch?v=JlE3VE2mTzY
Mein Hauptprotagonist: https://www.youtube.com/watch?v=qkSPe7mvELo (übrigens ein Lied, das mir rund um meine Bandscheiben-OP viel Kraft gegeben hat)
Sein bester Kumpel: https://www.youtube.com/watch?v=jtRRO1mNA3o
Die Gefahr: https://www.youtube.com/watch?v=uj_KUKzGY08

Ein von "No Pflock" unabhängiges Vampirprojekt:
Protagonistin1: https://www.youtube.com/watch?v=mlmhMS_luX8
Protagonist 2: https://www.youtube.com/watch?v=sD72LbIk02M
Protagonist 3: https://www.youtube.com/watch?v=ja-UfKJaDIQ (nein, das ist nicht das Original aus dem Film, sondern ein Fanprojekt)
Protagonist 4: https://www.youtube.com/watch?v=jOcSpdK6r9s (auch nicht das Original, aber eine schöne Interpretation)




Freitag, 24. Februar 2017

Autorin im Interview - also ich

Bild: rund-UM-photo

Interviews führen, das hab ich schon vor Jahren im Studium gelernt und später als Volontärin und Redakteurin zu Genüge geübt. Interviewt werden ist eine ganz andere Nummer. Es ist interessant zu beobachten, welche Fragen die Kollegen mir als Autorin stellen, manche kann ich voraussehen ("Woher kommt die Idee?"), andere nicht ("Gibt es einen Unterschied zwischen literarischem Schreiben und journalistischem?" - ömmmm, definitiv, aber ich muss mal schwer überlegen, wie ich den formuliere). Meine Agentin Alisha Bionda hat den Fehler gemacht, mich ausdrücklich aufzufordern, ausführlich zu antworten, damit die Leser mich richtig kennenlernen können. Und das können sie. Von meiner geschwätzigsten Seite! Viel Vergnügen: http://www.literra.info/interviews/interview.php?id=483

Mittwoch, 15. Februar 2017

Mein erstes Buch: Stadien der Freude

Den ganzen Tag war ich auf einer Konferenz und habe immer mit einem Auge auf den Status der Paketlieferung geschielt. Am Montag hat eine Freundin bereits ihr Exemplar (http://www.fabylon.de/produkt/weil-andrea-no-pflock/) bekommen, in einem Rutsch ausgelesen und ist dabei gegen den Couchtisch gerannt. Ich war so neidisch! Jetzt endlich bin ich daheim und habe mein Päckchen von der Nachbarin geholt.

Stadium 1: Schnappatmung. Erstmal Whisky einschenken (15jähriger schottischer Single Malt, extra für den Anlass gekauft)


Stadium 2: Ehrfürchtig streicheln. Zehn Exemplare gehören mir. 220 Seiten sind echt niedlich dünn für Fantasy, wenn man es so betrachtet.


Stadium 3: Aufmachen und schnuppern. Frisch gedruckte Bücher riechen toll, eigene noch besser. Perspektivwechsel werden mit kleinen Fledermäusen eingeleitet, im eBook sind es Grabsteine, Nettes Detail.


Stadium 4: Feuchte Augen kriegen.


Stadium 5: Ruhig dasitzen und genießen.


Stadium 6: Energieschub, rumtanzen, albern werden.


Stadium 7: Die ganze Welt umarmen. Oder Fledermaus Samantha in Stellvertretung.


Donnerstag, 2. Februar 2017

7 Fakten über mich: The Versatile Blogger Award



Der erste Fakt über mich wäre eigentlich, dass ich nie an Blogger Awards teilnehme, weil ich ohnehin so selten blogge und Nominierungen verpasse oder weil mir zum Thema nichts einfällt. Zum Glück ist "The Versatile Blogger Award" so weit gefasst, dass man einfach alles Mögliche erzählen kann, solange es wahr ist, vielleicht ein bisschen überraschend und lustig. Nominiert hat mich meine liebe Kundin Charlotte Cole, der ich herzlich danke. Ich freu mich übrigens schon sehr auf deine Drachen. Wer wissen will, was sie so alles Tolles schreibt (und kocht), kann mal auf ihrem Blog vorbeischauen: https://charlottecolewrites.com/

Die Regeln sind:
  1. Danke dem Blogger der dich nominiert hat - schon erledigt
  2. Verrate sieben Fakten über dich
  3. Nominiere andere Blogger

Sieben Fakten über mich: 

1) Igitt, Käse
Ich kann Käse nicht leiden. Das hat nichts mit Laktoseintoleranz zu tun oder sowas, ich mag den Geschmack einfach nicht. Sogar Pizza bestelle ich mir ohne Käse und nehme dabei in Kauf, dass der Belag beim Essen runterkullert. Tatsächlich probiere ich Käse hin und wieder mal um zu sehen, ob sich meine Geschmacksnerven vielleicht geändert haben, wie sie es z.B. mit Oliven taten. So habe ich immerhin entdeckt, dass Feta aus Schafsmilch was richtig Tolles ist.

2) Umweltschutz

Meine Liebe zur Natur hat mein Leben stark geprägt. Mit acht Jahren machte ich mir ganz allein einen Termin beim Villmarer Bürgermeister aus, um ihm auseinanderzusetzen, dass die Hecken an den Feldrändern zu stark beschnitten worden waren, um Tieren noch vernünftig Zuflucht gewähren zu können. Mit zwölf Jahren trat ich in ein Greenteam ein (Jugendorganisation von Greenpeace) und schrieb für eine Umwelt- und Jugendzeitschrift erste Artikel. Meine Berufswahl Journalist hing eng mit diesem Engagement zusammen und beeinflusst mich bis heute, wenn ich z.B. Vorträge über Wölfe halte.

3) Unvernünftig bis gefährlich
Unvernünftig bin ich äußerst selten. Ich rede hier nicht von meinem Motorrad. Zwar fahre ich das allein aus Spaß, aber es ist auch nicht so gefährlich, wie viele Leute meinen. Anders die folgende Anekdote: Mit 16 war ich mal mit dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Villmar in den USA. Bei einem Ausflug in den Grand Canyon kletterte ich, allen Warnhinweisen zum Trotz, über eine Absperrung, um mich ganz nach vorn auf eine Felsennase zu stellen und einige hundert Meter tief in den Canyon zu schauen. Adrenalin! Und natürlich völlig verrückt. Heute würde ich jedem Kind die Ohren langziehen, das ich dabei erwischte!

4) Die Blutsauger und ich
Wie ich vielleicht mal erwähnt haben mag (auch drei- oder viermal), kommt am 15. Februar mein erster Roman heraus. Aber ich bin schon sehr viel länger ein Vampir-Fan. In der Grundschule habe ich sogar mit einer Freundin einen Vampirclub gegründet und natürlich haben wir im Fernsehen die Abenteuer von Anton und Rüdiger verfolgt. Als Twilight kam, war ich zum Glück zu alt, um mich von dieser angeblichen Romanze (er beobachtet sie ständig heimlich, wie creepy ist das?) beeindrucken zu lassen. Mein Vorbild sind da doch eher Dracula, Hellsing und die World of Darkness.

5) Gesang
Die Klarinette hab ich mit der Volljährigkeit hinter mir gelassen und mich im Studium spontan einem Chor angeschlossen, wozu ich früher wegen Orchester nie Zeit gehabt hatte. Zunächst sang ich wegen Männer-Unterbesetzung Tenor, dabei bin ich, wie sich später rausgestellt hat, ein astreiner Sopran. Mein Chor, bei dem ich auch Schriftführerin bin, hatte bei meinem Eintritt einen Altersdurchschnitt, der doppelt so hoch war wie ich alt. Aber ich fühle mich sehr wohl dort. Über das Rollenspiel habe ich vor eineinhalb Jahren die Filk-Szene entdeckt. Mein erstes Lied, das ich umgeschrieben habe, war „Dust in the Wind“ von Kansas. Natürlich ging es in meiner Variante um Vampire: „Ash in the Wind – a vampires suicide“.

6) Dinosaurier
Bevor ich meine Wolfsphase hatte, hatte ich eine Dinosaurierphase. Ich habe mir bei „In einem Land vor unserer Zeit“ die Augen ausgeheult, hatte Holzskelette zum Zusammenbauen, bekam mit neun Jahren zu Weihnachten die Enzyklopädie der prähistorischen Tierwelt und konnte die ganzen lateinischen Namen auswendig. Als „Jurassic Park“ rauskam, war ich elf und ein Jahr zu jung für die Altersfreigabe des Films. Ich lag meinen Eltern so lange in den Ohren, bis sie mich beide begleiteten. Meine Mutter hielt sich ständig die Augen zu, mein Vater bekam Alpträume – ich hab mich prima amüsiert.

7) Bucket-List
Auf der Liste der Dinge, die ich mal in meinem Leben tun möchte, stand auch: nackt im Regen tanzen. Das hab ich mittlerweile abstreichen können, aber ich verrate nicht, wann und wo. Was schon ziemlich lange unerfüllt ist: Jemand soll mir mal in einer großen Kirche mit guter Akustik „Das Phantom der Oper“ auf der Orgel spielen.

Dinosaurier mag ich übrigens immer noch. Hier der jüngste Zuwachs für meine Perlsacktierchen-Sammlung: Silent Stanley, der Stegosaurus. 


Jetzt bin ich noch mit Nominieren dran. Ich bin mal neugierig, was meine Schreibnachtkollegin Nika über sich erzählt!

Mittwoch, 25. Januar 2017

Mein erster Roman: "No Pflock", Vampire, garantiert unromantisch


Da ist es. Das Cover von meinem ersten Roman - beziehungsweise dem ersten Roman, der von mir erscheint, und zwar schon am 15. Februar. Zwei Bücher sind ja bereits von mir auf dem Markt  (meine Diplomarbeit über den publizistischen Widerstand des Stuttgarter Journalisten Erich Schairer gegen die Nationalsozialisten und meine Anekdotensammlung aus der Schwedter DDR-Geschichte) und ich bin auf beide sehr stolz. Trotzdem fühle ich mich erst jetzt richtig als Autor. Das soll jetzt bloß keine Definition dieses Begriffes sein, sondern nur das, was mir mein Bauch sagt: "No Pflock" ist von vorne bis hinten in meinem Kopf entstanden, ich habe Martin, Ravic und Alina zum Leben erweckt und bald kann ich das Ergebnis gedruckt in Händen halten. Ein eBook gibt es übrigens auch, aber ich muss Papier anfassen und riechen können.

Die Idee ist mir schon seit meiner Studienzeit in Eichstätt im Kopf rumgespukt, seit ich an einer Eichstätter Regenrinne diesen Aufkleber entdeckt hatte:
Nicht mal Freund Google konnte mir dazu irgendwas sagen, also lief meine Fantasie heiß: Ist das eine geheime Vampirorganisation? Eine Vampirjägerorganisation, die wissen, dass Holzpflöcke als Waffen nutzlos sind? Als das dann noch auf den Twilight-Hype traf und ich unbedingt eine Geschichte über einen Vampir schreiben wollte, der weder hübsch war noch charmant, war die Idee für das Buch geboren. Richtig ans Schreiben hab ich mich allerdings erst gemacht, als meine liebe Agentin den Fabylon-Verlag für mich fand, und ich den Namen meines Hauptprotagonisten in Martin geändert hatte, weil der vorherige mir selbst zu unsympathisch war.

Die Haupt-Schreibphase fiel ja, wie ich hier bereits erzählt hab, in eine sehr schwierige Zeit mit Bandscheibenvorfall, monatelange Schmerzen, Unsicherheit und OP-Angst. Deshalb ist mir das Projekt so ans Herz gewachsen, weil es mich immer wieder aus dem depressiven Loch gezogen hat. Ist es deshalb so blutig geworden? Ich hoffe mal nicht, das war eigentlich schon vorher geplant. Und selbst den Humor konnten die Umstände nicht töten, nicht, wenn ich voll im Manuskript versunken war. Mit Ravic hab ich auch meinen ersten "Soundtrack" zu einem Schreibprojekt begonnen, nicht, um zu der Musik zu schreiben, was mich immer nur ablenkt, aber um mich vorher einzustimmen und weitere Nuancen eines Charakters zu entdecken. Der Kerl hat übrigens sieben Charakterlieder, eine unbekannte Anzahl von Jahrhunderten lässt sich nicht auf einen Song reduzieren.

Seit letzter Woche schwebe ich nun immer eine Handbreit über dem Boden, mein Bauch kribbelt und ich schlafe schlecht, wache trotzdem stets gut gelaunt auf - was eine bevorstehende Buchveröffentlichung halt so mit dir tut. Und weil ich es kaum erwarten kann, vor Publikum zu lesen, hab ich mir schon mal eine Runde T-Shirts machen lassen:
Denn wenn ein Vampirroman schon mal in Bayern spielt, braucht man auch ein vernünftiges Dialektwort für Nackenbeißer (danke an Robert für die linguistische Beratung). Das ist auf jeden Fall ein erheblich besserer Start ins neue Jahr als 2016!

Samstag, 14. Januar 2017

Lass mich das für dich googeln

Bevor ich anfange zu maulen: Ich wünsche allen ein gesundes neues Jahr. Ein Jahr, das hoffentlich alle politischen Herausforderungen friedlich meistert, ob im In- oder Ausland (hoffen darf man immer). Ein Jahr, in dem wir alle alles ein kleines bisschen besser machen können. Ich persönlich freue mich auf die Veröffentlichung meines ersten Romans, die wiederbelebten Freienfelser Ritterspiele und einen Urlaub in Finnland.

Aber jetzt zum Thema. (Knackt mit den Fingern) Ich diskutiere ungern auf Facebook. Das kann man als feige bezeichnen, aber ich glaube kaum, dass man wildfremde Menschen auf dieser Plattform durch Kommentare von ihrer Meinung abbringen kann. Zumindest in den seltensten Fällen. Mobbing, "Fake News", rassistische Hetze - die Plattform ist gerade ziemlich in die Kritik geraten. Doch manchmal sind es die Kleinigkeiten, die am meisten Zeit und Nerven fressen. Und manchmal begeben sich Menschen freiwillig auf einen grandiosen Ritt in den Shitstorm.

Ich bin von Berufs wegen in einigen Autorengruppen und finde es prima, wenn sich Selfpublisher auf dem harten Markt gegenseitig unterstützen, erfolgreiche Autoren ihre Erfahrungen mit jüngeren teilen und ihnen Mut machen. (Gestern Abend war wieder #Schreibnacht und Stargast Thomas Finn beantwortete fast die ganze Nacht geduldig Fragen, es war großartig!)

Allerdings sind manche Fragen, die Mitglieder an die Autorengruppen stellen ... voreilig? Nicht durchdacht? Unglaublich dumm? Ist ausgerechnet im Internetzeitalter die Fähigkeit zu recherchieren abhandengekommen? Man muss doch kein Journalistik-Studium abgeschlossen haben, um zu wissen, dass man sich in Deutschland in der Regel an dem Duden orientiert, was Rechtschreibung betrifft. Der auch einen guten Internetauftritt hat. Und auch wenn Wikipedia nach dem kollektiven Korrektorats-Prinzip bei weitem nicht unfehlbar ist, ist es trotzdem ein gutes Nachschlagewerk.

Warum also, um Himmels Willen, muss man in einer Autorengruppe nach der Rechtschreibung eines Wortes fragen, nach der Definition eines Fremdwortes?

"Heißt es 'Marie's Restaurant' oder 'Maries Restaurant'?"
Ja, gut, das "Deppenapostroph" breitet sich inflationär aus, gerade auf Restaurantschildern, aber die Rechtschreibregeln dazu sind eindeutig!

"Was ist ein Dramaturg?" (an einen Dramaturgen)
Da gibt es mittlerweile das etwas schnippische, aber berechtigte: "Let me google that for you" - "Lass mich das für dich googeln": http://lmgtfy.com/?q=Was+ist+ein+Dramaturg%3F

Die Zeit, die der Fragende damit verbracht hat, die Frage zu posten, hätte er mit googeln verbringen können und wäre schneller zu einem Ergebnis gekommen. Hätte nicht anderen Leuten ihre Zeit gestohlen. Es gibt bewundernswert geduldige Menschen, die solche Fragen ernsthaft beantworten. Dann gibt es solche, die sich sarkastische Kommentare nicht verkneifen können. Und dann die Trolle, die das zum Anlass nehmen, sich über die fragende Person lustig zu machen. Wahrscheinlich lande ich mit diesem Blogbeitrag in Kategorie zwei, hoffentlich nicht drei.

Was ich sagen will: Macht euch nicht selbst zum Affen! Wer solche banalen Fragen postet, zeigt nur, dass er sich vorher kein Stück Gedanken gemacht hat, wirkt, als sei er zu dumm und unselbständig, um so etwas Simples selbst herauszufinden aus allgemein zugänglichen und vor allem zuverlässigen Quellen. Es gibt Fragen, die sind schwer zu beantworten. Manchmal hilft es einem, einen persönlichen Erfahrungsbericht zu erhalten. Für alles andere gibt es Duden, Wikipedia, Synonymlexica, Wörterbücher. Kostenlos online.

Wenn ich den Fragenden noch etwas Nachdenken unterstelle, könnten ihre Posts auch ein Symptom für das Misstrauen sein, das in der Unendlichkeit des Webs zunimmt. Welcher Quelle kann man überhaupt noch vertrauen? Oder es ist ein Phänomen des "postfaktischen" Zeitalters: Scheiß auf den Duden, wir stellen die Rechtschreibung basisdemokratisch zur Diskussion. Ich hoffe wirklich, dass es nicht daran liegt, denn das wäre noch schlimmer, eine tiefer verwurzelte Krise als schlichte Gedankenlosigkeit.

Und an alle meine (zukünftigen) Kunden: Ich korrigiere nach Duden. Wo es Kann-Bestimmungen gibt, nehme ich die Schreibweise, die der Duden favorisiert. Ob sie mir persönlich gefällt oder nicht, spielt keine Rolle.

Dienstag, 13. Dezember 2016

Nostalgie: Meine liebsten Weihnachtsbücher


Ich liebe Weihnachten. Weihnachten macht mich nahezu kitschresistent, ich höre freiwillig "Last Christmas", kaufe schon ab April Weihnachtsgeschenke und ab September Lebkuchen. In diesem Jahr hab ich herausgefunden, dass meine Lieblingsszene im Film "Wunder von Manhattan" (1994), in der der Weihnachtsmann mit einem tauben Mädchen in Gebärdensprache redet, "echt" ist. Die junge Schauspielerin ist wirklich taub und niemand hatte ihr verraten, was Richard Attenborough tun würde. Die Freude ist also hundertprozent authentisch und seither kriege ich erst recht feuchte Augen, wenn ich das sehe.

Und dann gibt es die Bücher, die ich jedes Jahr wieder lese im Advent. Weil mich das Thema Lesen und Vorlesen immer wieder beschäftigt hat in den vergangenen Wochen, möchte ich diese Weihnachtsausgabe meines Blogs dafür nutzen, ein paar davon vorzustellen:

"Weihnachten aus aller Welt" (mittlerweile neu aufgelegt) beispielsweise war ein Heftchen, ein Adventskalender, der für jeden Tag eine Geschichte über Weihnachtstraditionen in Italien, Sri Lanka, Australien, Norwegen etc. bereit hielt, zusammen mit Bastelanleitungen für Musikinstrumente, Rezepte, Gedichte. Am Heiligabend geht es natürlich nach Bethlehem in die Geburtskirche, die nicht wirklich so aussieht, wie man sie sich als Kind vorgestellt hat. Ein wundervoller Blick über den Tellerrand!

Mit Abstand lesen sich die "Weihnachtsgeschichten" von Lise Gast zu fromm für meinen  Geschmack. Aber ich verstehe, dass ihr der Glaube Halt gegeben hat in der schweren Zeit, als Witwe und Mutter einer Bande Kinder am Ende des Zweiten Weltkrieges aus der Heimat vertrieben zu werden. In diesem Buch wird mein Traumhaus beschrieben (das ehemalige Forsthaus mit Stall in "Der kleine Ausreißer"), jede Geschichte strahlt Herzensgüte aus. Beeindruckt hat mich auch die Erklärung, warum Gott Kinder mit Behinderung auf die Erde schickt: um Liebe zu erzeugen, Beschützenwollen. Ob man nun dran glaubt oder nicht - mein Vater hat als Lehrer an einer integrierten Gesamtschule selbst erlebt, wie bereichernd diese Kinder für eine Klasse sind.

"Wenn Weihnachten kommt" ist eine der besten Zusammenstellungen von Geschichten, die ich kenne, auch wenn Christine Nöstlinger eine geliefert hat, die ich niemals wieder lesen möchte und immer überblättere, weil sie zu viel harte Erkenntnis beinhaltet. Viele Geschichten haben einen ernsten Hintergrund, den Erwachsene noch besser begreifen als Kinder, vor allem Armut, fremd sein und ein Außenseiter, werden thematisiert. Aber immer kindgerecht. Hier bin ich auch zum ersten Mal auf "Hilfe, die Herdmanns kommen" gestoßen. Das Kapitel, wie sie die Darstellung der Geburt Jesu in der Bibel in Frage stellen ("Sie meinen, sie banden es zusammen und steckten es in eine Futterkiste? Wo bliebt denn da die Jugendfürsorge"), das ich als "Kurzgeschichte" kennenlernte, ist immer noch der Höhepunkt des ganzen Romans für mich.

"Hinter verzauberten Fenstern" ist ein relativ unbekanntes Buch von Cornelia Funke und ein Fund, den ich erst als Erwachsene gemacht habe - aber es ist gleich in die Reihen meiner Klassiker aufgestiegen. Ich habe schon früh als Kind von meinen Eltern einen Bilderadventskalender erbeten, weil die mit Schokolade muffig und langweilig waren. Zu den Bildern konnte man sich dagegen Geschichten ausdenken - und genau das hat Cornelia Funke hier getan. Seit ich sie bei einer Schreibnacht als Stargast kennengelernt habe, mag ich die Frau noch mehr.

Wer mich kennt, hat vielleicht schon bei dem Foto oben gestutzt: Was macht Wolfgang Hohlbein da? Tatsächlich komme ich mit einem der erfolgreichsten deutschen Fantasyautoren überhaupt nicht klar. Ich kann auch nicht behaupten, dass "Saint Nick. Der Tag, an dem der Weihnachtsmann durchdrehte" ein gutes Buch ist. Es steckt voller Klischees und das Ende ist heillos überzogen. Aber es ist eine Guilty Pleasure von mir. Dass sich der Weihnachtsmann selbst vom Kommerz anstecken lässt und seine Magie wiederfinden muss, finde ich eine spannende Idee.

Aber tausendmal lieber ist mir am Ende trotzdem ein anderer Weihnachtsmann: der, der den Tolkien-Kindern 23 Jahre lang Briefe geschrieben hat. Ja, das war nie als Buch geplant, aber ich bin den Nachkommen von J.R.R. Tolkien sehr dankbar, dass sie diese Schätze mit uns teilen. Die "Briefe vom Weihnachtsmann" kamen mir zuerst in einer winzigen, gekürzten Ausgabe unter, doch da ist mir die Liebe zum Detail aufgefallen: die zittrige Handschriftprobe, weil der Weihnachtsmann so viel friert und Stress hat am Nordpol, die selbstgezeichneten Bilder und die Kommentare, die der Nordpolarbär dazwischen kritzelt. Ich habe sogar ein Kuscheltier nach diesem tollpatschigen Helfer benannt. Später habe ich sie mir natürlich in (vollständiger) englischer Ausgabe gekauft, um Tolkiens Sprache im Original zu genießen.

Und natürlich fallen mir jetzt noch mehr ein: "A Christmas Carol" von Charles Dickens, das mir selbst die tausend Filmadaptionen nicht vermiesen konnten, eher im Gegenteil. Und nicht zu vergessen: die Weihnachtskapitel in so ziemlich allen Astrid Lindgren-Büchern. Ob Madita oder Die Kinder von Bullerbü - da steckt für jede Jahreszeit was drin. Aber die Weihnachtskapitel sind besonders herrlich. Und kritisch! Wie selbstverständlich Astrid Lindgren einfließen lässt, wie die armen Nachbarn von Madita versuchen, ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, ist genial. Frohe Weihnachten euch allen. Ich hoffe, ihr bekommt viel guten Lesestoff geschenkt!